Was ist Dharma?
Was ist Dharma? Dharma ist das, was das Leben, die Gesellschaft und das Universum zusammenhält. Das Wort stammt aus der Sanskrit-Wurzel dhri, was „tragen“, „halten“ oder „stützen“ bedeutet. In der vedischen Lehre ist Dharma die göttliche Ordnung, das richtige Handeln und der Weg zu innerer Harmonie.
Das Wort Dharma stammt aus der Sanskrit-Wurzel dhri, was so viel bedeutet wie „tragen“, „halten“, „stützen“ oder „zusammenhalten“. In einem einfachen und zugleich sehr praktischen Sinn ist Dharma also das, was die Welt zusammenhält. Es ist die innere Ordnung, auf der das Leben, die Gesellschaft und auch das individuelle Handeln beruhen.
Im höchsten Sinn ist Dharma das göttliche, natürliche und universelle Gesetz, das das Leben lenkt und das gesamte Universum in Harmonie hält. Es geht dabei nicht nur um Moral oder Religion im engen Sinn, sondern um die Frage: Was ist richtig? Was ist wahr? Was ist meiner Natur gemäß? Was dient dem Ganzen?
Dharma beschreibt deshalb auch richtiges Verhalten, Pflicht, Verantwortung, innere Ordnung und den Weg, der zu Sinn, Stabilität und letztlich zu Glück führt. Wer im Einklang mit seinem Dharma lebt, erfährt nicht nur äußere Orientierung, sondern auch innere Ruhe. In der vedischen Sicht ist Dharma niemals nur Theorie – es ist ein gelebtes Prinzip.
Dharma in der vedischen Astrologie
Viele Menschen fragen heute: Was ist Dharma und welche Bedeutung hat dieses Prinzip im Alltag? In der vedischen Astrologie ist Dharma mit Sinn, Ordnung, Verantwortung und spiritueller Ausrichtung verbunden.
In der vedischen Astrologie werden Surya (die Sonne) und Guru (Jupiter) als zentrale Träger des Dharma angesehen. Surya steht für Wahrheit, innere Autorität, Charakter und das Licht der Seele. Guru repräsentiert Weisheit, Sinn, Ethik, Gnade, höheres Wissen und die richtige Ausrichtung des Lebens.
Wenn diese Kräfte stark und klar wirken, fällt es einem Menschen leichter, seinen Weg mit Würde, Klarheit und Verantwortung zu gehen. Wird das Dharma jedoch geschwächt, verliert der Mensch die Verbindung zu Sinn, Maß, Ethik und innerer Ordnung. Dann tritt an die Stelle von Wahrheit oft bloßes Funktionieren, Ehrgeiz, Angst oder materieller Druck.
Die vier Säulen des Lebens: Dharma, Artha, Kama und Moksha
In der vedischen Philosophie wird das menschliche Leben auf vier grundlegende Ziele oder Stützpfeiler aufgebaut. Diese werden oft als die vier „Füße“ oder „Stützen“ der kosmischen Ordnung verstanden:
1. Dharma
Dharma ist die Ordnung, Pflicht, Ethik, Wahrheit und das richtige Leben im Einklang mit dem höheren Gesetz.
2. Artha
Artha bedeutet materielle Grundlage, Sicherheit, Besitz, Beruf, Struktur und alle Mittel, die das Leben auf der Erde stabil machen.
3. Kama
Kama steht für Wünsche, Freude, Liebe, Genuss, Beziehungen, Schönheit und emotionale Erfüllung.
4. Moksha
Moksha ist Befreiung, Loslösung, spirituelle Vollendung und das Erwachen über die materielle Welt hinaus.
Diese vier Ziele sind nicht als Gegensätze gedacht. Im idealen Zustand stützen sie einander. Dharma gibt die Richtung, Artha schafft die Grundlage, Kama gibt dem Leben Farbe und Erfahrung, und Moksha öffnet den Blick auf das Höchste. Wenn aber Dharma verloren geht, geraten auch die anderen Bereiche aus dem Gleichgewicht.
Die vier Yugas und der schrittweise Rückgang des Dharma
In der vedischen Zeitauffassung verläuft die Geschichte nicht linear, sondern zyklisch. Die Menschheit durchläuft große Zeitalter, die Yugas genannt werden. Diese beschreiben nicht nur Zeitspannen, sondern auch den Zustand des Bewusstseins, der Moral, der Spiritualität und der Verbindung des Menschen zum Göttlichen.
Traditionell heißt es, dass Dharma in den vier Yugas allmählich an Kraft verliert. Bildlich wird dies durch einen Stier dargestellt, der anfangs auf vier Beinen steht. Mit jedem weiteren Zeitalter wird eine Stütze schwächer oder bricht weg. So nimmt der Anteil der Wahrheit, Reinheit und geistigen Klarheit immer mehr ab.
Nach der klassischen puranischen Zeitrechnung sind die vier Yugas wie folgt aufgebaut:
- Satya Yuga: 1.728.000 Jahre
- Treta Yuga: 1.296.000 Jahre
- Dvapara Yuga: 864.000 Jahre
- Kali Yuga: 432.000 Jahre
Zusammen ergeben diese vier Zeitalter ein großes Weltzeitalter, das Maha Yuga genannt wird und insgesamt 4.320.000 Jahre umfasst.
Wichtig ist dabei: In verschiedenen Schulen, Kommentaren und spirituellen Traditionen gibt es unterschiedliche Deutungen dieser Zeitangaben. Manche verstehen sie rein kosmologisch, andere symbolisch oder bewusstseinsbezogen. In der klassischen vedisch-puranischen Lehre gelten jedoch die oben genannten Zahlen als die bekannteste Grundlage.
Satya Yuga – das goldene Zeitalter der Wahrheit
Die Natur von Satya Yuga
Satya Yuga, auch Krita Yuga genannt, ist das erste und reinste der vier Zeitalter. Das Wort „Satya“ bedeutet Wahrheit. „Krita“ kann als „vollendet“, „vollständig“ oder „perfekt verwirklicht“ verstanden werden. In diesem Zeitalter steht Dharma auf allen vier Beinen. Die Wahrheit ist vollständig präsent.
Satya Yuga gilt als das goldene Zeitalter. Die Menschen leben in natürlicher Harmonie mit der göttlichen Ordnung. Täuschung, innere Zerrissenheit, spirituelle Blindheit und moralischer Verfall sind kaum vorhanden. Das Bewusstsein ist klar, ruhig und lichtvoll. Der Mensch empfindet sich nicht als getrennt vom Kosmos, sondern als Teil einer höheren Ordnung.
Lebensdauer und spirituelle Praxis
In der traditionellen Beschreibung wird gesagt, dass Menschen in Satya Yuga eine sehr hohe Lebensspanne hatten – in manchen Überlieferungen bis zu 1000 Jahre oder sogar darüber hinaus in symbolischer Darstellung. Entscheidend ist hier weniger die biologische Zahl als das Prinzip: Das Leben war lang, geordnet und tief mit spiritueller Praxis verbunden.
Die Hauptform der Verbindung mit dem Göttlichen war in diesem Zeitalter die Meditation. Der Geist war stark genug, lange Konzentration zu tragen. Innere Sammlung, Wahrnehmung der Wahrheit und direkte Gotteserfahrung waren für hoch entwickelte Wesen zugänglich.
Warum Satya Yuga als vollkommen gilt
In Satya Yuga ist Dharma nicht nur ein Ideal, sondern gelebte Realität. Der Mensch lebt nicht gegen seine Natur, sondern in natürlicher Übereinstimmung mit ihr. Es gibt weniger Spaltung zwischen Denken, Sprechen und Handeln. Deshalb gilt dieses Zeitalter als Bild der ursprünglichen Ordnung.
Treta Yuga – das silberne Zeitalter
Der erste Rückgang des Dharma
Nach Satya Yuga folgt Treta Yuga, das als silbernes Zeitalter beschrieben wird. Hier verliert Dharma zum ersten Mal einen seiner vier Füße. Damit bleiben noch drei Viertel der ursprünglichen Wahrheit erhalten.
Der Name „Treta“ ist mit der Zahl Drei verbunden. Symbolisch bedeutet das: Die Ordnung ist noch stark, aber nicht mehr vollkommen. Es entsteht bereits ein Abstand zwischen Mensch und göttlicher Ursprünglichkeit. Die materielle Welt beginnt an Gewicht zu gewinnen.
Lebensdauer und Bewusstseinswandel
In vielen traditionellen Darstellungen verkürzt sich die durchschnittliche Lebensdauer in Treta Yuga auf etwa 500 Jahre. Auch hier geht es nicht nur um Zahlen, sondern um die Aussage, dass das Bewusstsein dichter wird und die unmittelbare Gottesnähe abnimmt.
Die Menschen können nicht mehr in derselben Tiefe und Selbstverständlichkeit meditieren wie im goldenen Zeitalter. Deshalb wird die Verbindung zum Göttlichen stärker über Rituale, Opferhandlungen, Yajnas und Homas gepflegt. Das Heilige ist noch gegenwärtig, aber der Zugang dazu wird indirekter und formgebundener.
Die Bedeutung dieses Zeitalters
Treta Yuga markiert den Beginn einer Welt, in der Spiritualität noch mächtig ist, aber nicht mehr selbstverständlich. Ordnung muss nun mehr bewusst gepflegt werden. Dharma ist also nicht verschwunden, doch es verlangt bereits größere Disziplin, Tradition und rituelle Form.
Dvapara Yuga – das bronzene Zeitalter
Nur noch die Hälfte der Wahrheit bleibt
Das dritte Zeitalter ist Dvapara Yuga, oft als bronzenes Zeitalter bezeichnet. Hier verliert Dharma seine dritte Stütze, sodass nur noch zwei Füße bleiben. Das bedeutet: Nur noch die Hälfte der ursprünglichen Ordnung und Wahrheit ist wirksam.
Das Bewusstsein wird polarer. Gegensätze nehmen zu. Wissen und Unwissen, Licht und Dunkelheit, Spiritualität und Materialität stehen sich deutlicher gegenüber. Der Mensch lebt nicht mehr in einer fast natürlichen Wahrheit, sondern in einer Welt der Spannung und der Wahl.
Lebensdauer und Form der Gottesverbindung
Die Lebensdauer sinkt in traditionellen Beschreibungen auf ungefähr 250 Jahre. Wieder gilt: Diese Angabe ist Teil einer kosmischen Symbolik, die auf einen fortschreitenden Rückgang der Lebensenergie, Reinheit und Bewusstseinskraft hinweist.
In Dvapara Yuga wird die Verbindung zum Göttlichen vor allem durch Bhakti, also Hingabe, Verehrung und bewusste Beziehung zum Göttlichen, aufrechterhalten. Die direkte meditative Kraft der frühen Zeitalter ist nicht mehr allgemein zugänglich. Ebenso reichen reine Rituale allein nicht mehr aus. Das Herz, die emotionale Bindung und persönliche Hingabe treten stärker in den Vordergrund.
Die innere Logik von Dvapara Yuga
Je stärker die Welt dual wird, desto wichtiger wird die bewusste Entscheidung des Menschen. Dvapara Yuga ist ein Zeitalter der Teilung, aber auch der Suche. Gerade weil die Harmonie nicht mehr selbstverständlich ist, wird echte innere Ausrichtung zu einer bewussten Aufgabe.
Kali Yuga – das eiserne Zeitalter
Das gegenwärtige Zeitalter
Kali Yuga ist das vierte und letzte der vier Yugas. Es wird als eisernes Zeitalter beschrieben und gilt als die Epoche, in der wir heute leben. In diesem Zeitalter bleibt Dharma nur noch auf einem Bein stehen. Das heißt: Nur ein Viertel der ursprünglichen Wahrheit ist noch wirksam.
In vielen traditionellen Deutungen ist die verbleibende Stütze vor allem mit Artha verbunden. Materielle Fragen, Sicherheit, Besitz, Status, wirtschaftliche Kraft und äußere Struktur dominieren das Leben. Das bedeutet nicht, dass Artha an sich negativ wäre. Problematisch wird es erst dann, wenn Artha den Platz von Dharma einnimmt und zum einzigen Maßstab wird.
Beginn und Dauer von Kali Yuga
Nach der klassischen indischen Zeitrechnung begann Kali Yuga im Jahr 3102 v. Chr.. Seine Gesamtdauer beträgt traditionell 432.000 Jahre. Aus dieser Sicht befinden wir uns also erst in einem sehr frühen Abschnitt dieses Zeitalters.
Wieder gilt: Manche moderne Denkschulen interpretieren diese Zahlen anders, teils symbolisch, teils astronomisch, teils historisch verkürzt. In der klassischen Tradition ist jedoch 3102 v. Chr. der bekannteste Bezugspunkt für den Beginn von Kali Yuga.
Merkmale von Kali Yuga
Kali Yuga ist durch einen allgemeinen Rückgang von Wahrheit, Moral, geistiger Disziplin und spiritueller Tiefe gekennzeichnet. Das Denken wird unruhiger, die Aufmerksamkeit zerstreuter, der Mensch stärker von Angst, Vergleich, Wettbewerb, Geschwindigkeit, Begehren und äußerem Erfolg geprägt.
In vielen Überlieferungen heißt es, dass die Lebensdauer des Menschen in diesem Zeitalter stark sinkt und unter idealen Bedingungen bei maximal etwa 125 Jahren liegen kann. Zugleich nimmt die Qualität des Bewusstseins ab: Der Mensch verliert Klarheit, Unterscheidungskraft und geistige Standfestigkeit.
Gerade deshalb wird Kali Yuga nicht nur negativ gesehen. Denn obwohl es ein dunkleres Zeitalter ist, gilt der spirituelle Weg in gewisser Hinsicht auch als einfacher zugänglich. Da tiefe Meditation, große Opferhandlungen oder hohe asketische Leistungen für die meisten Menschen schwer geworden sind, wird gesagt, dass der Zugang zum Göttlichen nun besonders über Nama, den heiligen Namen, möglich ist – also durch Mantra, Gebet, Rezitation und das Erinnern an das Göttliche durch Klang.
Warum Kali Yuga spirituell trotzdem bedeutsam ist
Gerade in einem dunkleren Zeitalter bekommt selbst ein kleiner aufrichtiger Schritt große Bedeutung. Ein wenig Wahrhaftigkeit, ein wenig Disziplin, ein ehrliches Gebet, ein gerechter Entschluss oder ein Dienst am Guten haben im Kali Yuga oft ein besonders hohes Gewicht. Wo Dunkelheit wächst, wird Licht kostbarer.
Die vier Stufen der Dharma-Ausrichtung
Neben der kosmischen Bedeutung der vier Füße des Dharma gibt es auch eine praktische Deutung: Dharma zeigt sich darin, wem oder was das eigene Handeln dient. Je weiter der Wirkungskreis einer Handlung ist, desto höher wird ihre Ausrichtung bewertet.
Sva Dharma – Nutzen nur für das eigene Selbst
Sva Dharma wird hier im Sinn einer Handlung verstanden, die in erster Linie dem eigenen Vorteil dient. In der genannten Ordnung entspricht dies der engsten Form von Motivation. Symbolisch wird dies mit etwa 12,5 % der vollen Dharma-Ausrichtung beschrieben.
Im negativen Fall kann dies egozentrisch werden. Im positiven Fall bedeutet es, überhaupt erst Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Auch das kann ein notwendiger Anfang sein – aber es ist nicht die höchste Form von Dharma.
Kula Dharma – Nutzen für Familie und Sippe
Kula Dharma erweitert den Kreis auf Familie, Herkunft und nahes Umfeld. Hier handelt ein Mensch nicht mehr nur für sich selbst, sondern übernimmt Verantwortung für Angehörige, Traditionen und familiäre Strukturen. Dies wird symbolisch mit etwa 25 % der vollen Dharma-Kraft beschrieben.
Auch dies ist ein wichtiger Schritt, weil Verantwortung nun geteilt und getragen wird. Dennoch bleibt der Horizont noch begrenzt.
Desha Dharma – Nutzen für Gesellschaft und Nation
Desha Dharma meint Handlungen, die der Gesellschaft, dem Land oder einer größeren Gemeinschaft dienen. Der Mensch wirkt nun nicht nur privat, sondern sozial und kollektiv. Dies entspricht symbolisch etwa 50 % der vollen Dharma-Entfaltung.
Hier wird deutlich, dass Dharma immer auch mit Verantwortung gegenüber der Welt verbunden ist. Arbeit, Wissen, Führung, Lehre, Schutz, Heilung und gerechter Dienst an der Gemeinschaft gehören zu dieser Ebene.
Vishva Dharma – Nutzen für die ganze Welt
Vishva Dharma ist die höchste Form. Das Handeln dient dem Ganzen, der Welt, dem Leben und letztlich dem kosmischen Gleichgewicht. Es geht um ein Bewusstsein, das nicht mehr aus engen Grenzen heraus lebt, sondern universell denkt und handelt. Dies wird mit 100 % der Dharma-Kraft verbunden.
Ein solcher Mensch fragt nicht nur: „Was nützt mir?“ oder „Was nützt meinem Kreis?“, sondern: Was ist wahr? Was ist richtig? Was dient wirklich dem Leben?
Die Verbindung zwischen den vier Dharma-Stufen und den vier Yugas
Diese vier Ausrichtungen lassen sich symbolisch den vier Yugas zuordnen. Je reiner das Zeitalter, desto weiter und universeller ist die Motivation des Menschen. Je dunkler das Zeitalter, desto enger wird der Blick.
- Satya Yuga: Vishva Dharma – Ausrichtung auf das Ganze
- Treta Yuga: Desha Dharma – Ausrichtung auf Gemeinschaft und Ordnung
- Dvapara Yuga: Kula Dharma – Ausrichtung auf Beziehung, Zugehörigkeit und Gruppe
- Kali Yuga: Sva Dharma – Ausrichtung auf das eigene Überleben und den eigenen Vorteil
Diese Zuordnung zeigt sehr anschaulich, wie sich das Bewusstsein im Lauf der Yugas verengt. Im goldenen Zeitalter lebt der Mensch vom Ganzen her. Im dunkleren Zeitalter lebt er immer mehr aus Sorge, Mangel, Trennung und Selbstbezug.
Die vier Yugas in den Kendras der Geburtskarte
Ein besonders interessanter astrologischer Zugang besteht darin, die vier Yugas mit den vier Kendras der Geburtskarte zu verbinden. Die Kendras sind die tragenden Häuser der Horoskopstruktur: das 1., 4., 7. und 10. Haus. Sie bilden das Grundkreuz des Lebens und spiegeln die wesentlichen Achsen menschlicher Existenz wider.
- Satya Yuga – 1. Bhava
- Treta Yuga – 4. Bhava
- Dvapara Yuga – 7. Bhava
- Kali Yuga – 10. Bhava
1. Bhava – Satya Yuga
Das 1. Haus steht für das Selbst, die Verkörperung, Identität, Charakter, Lebenskraft und die unmittelbare Wahrnehmung des Lebens. Es ist der Punkt des Anfangs und der reinsten subjektiven Präsenz. In dieser Zuordnung entspricht es Satya Yuga, weil hier das Leben noch am nächsten am Ursprung steht. Es ist der Moment des „Seins“ vor aller späteren Verstrickung.
4. Bhava – Treta Yuga
Das 4. Haus steht für Herz, Heimat, innere Basis, seelische Verankerung, Mutterprinzip, Schutz und innere Zuflucht. Es entspricht Treta Yuga, weil hier Dharma noch stark vorhanden ist, aber bereits in eine geschützte, kultivierte Form übergeht. Es ist nicht mehr die reine kosmische Ursprünglichkeit des 1. Hauses, sondern schon eine verkörperte, gepflegte Ordnung.
7. Bhava – Dvapara Yuga
Das 7. Haus steht für Beziehung, Gegenüber, Begegnung, Austausch, Vertrag, Partnerschaft und Spiegelung. Dies passt zu Dvapara Yuga, weil hier Dualität stärker hervortritt. Das Leben wird polar, dialogisch, gespiegelt. Wahrheit ist nicht mehr selbstverständlich eins, sondern erscheint im Spannungsfeld zwischen Selbst und Anderem.
10. Bhava – Kali Yuga
Das 10. Haus steht für Handlung in der Welt, Beruf, Leistung, Status, Sichtbarkeit, Verantwortung und gesellschaftliche Position. Es wird mit Kali Yuga verbunden, weil hier die äußere Welt dominiert. Erfolg, Struktur, Arbeit und Wirkung in der materiellen Ordnung stehen im Vordergrund. Wird das 10. Haus jedoch vom Dharma getrennt, kann der Mensch vollständig im Äußeren aufgehen und seine innere Ausrichtung verlieren.
Die tiefere Bedeutung dieser Zuordnung
Die Zuordnung der Yugas zu den Kendras ist nicht nur ein symbolisches Schema. Sie zeigt, dass sich der Weg des Menschen auch innerhalb des eigenen Lebens und der eigenen Geburtskarte abbildet. Das Horoskop wird dadurch zu einer Landkarte der Bewusstseinsentwicklung.
Der Mensch beginnt beim Selbst, sucht dann innere Verankerung, geht in Beziehung zur Welt und wird schließlich in der äußeren Handlung sichtbar. Wenn dieser Weg von Dharma getragen wird, entsteht Reife. Wenn Dharma fehlt, wird derselbe Weg zu Verwirrung, Leistungsdruck, Entwurzelung oder falscher Identifikation.
Dharma im Alltag – warum dieses Wissen heute wichtig ist
Gerade im heutigen Zeitalter ist das Thema Dharma von besonderer Bedeutung. Viele Menschen leben unter starkem äußeren Druck, in Schnelligkeit, Vergleich, Konkurrenz und innerer Zerstreuung. Man funktioniert, reagiert, konsumiert und plant – doch die eigentliche Frage bleibt oft unbeantwortet: Wofür lebe ich? Was ist mein richtiger Platz? Was ist wahr in meinem Handeln?
Dharma bringt den Menschen zurück zu seiner Achse. Es erinnert daran, dass nicht alles, was machbar ist, auch richtig ist. Nicht alles, was Gewinn bringt, führt zu Frieden. Nicht alles, was glänzt, trägt Wahrheit in sich.
Ein Leben im Dharma bedeutet nicht Perfektion. Es bedeutet, sich Schritt für Schritt an Wahrheit, Verantwortung, Würde, Klarheit und innerer Stimmigkeit auszurichten. Gerade im Kali Yuga ist dies oft kein natürlicher Automatismus mehr, sondern eine bewusste Praxis.
Wie man sich dem eigenen Dharma annähern kann
1. Durch Wahrhaftigkeit
Der erste Schritt zum Dharma ist Ehrlichkeit mit sich selbst. Ohne Wahrhaftigkeit gibt es keine echte Ausrichtung.
2. Durch Verantwortung
Dharma zeigt sich nicht in bloßen Ideen, sondern in verantwortlichem Handeln – gegenüber sich selbst, der Familie, der Gesellschaft und dem Leben.
3. Durch richtige Orientierung
Die Frage lautet nicht nur: „Was will ich?“, sondern auch: „Was ist richtig? Was dient? Was ist meinem Wesen angemessen?“
4. Durch spirituelle Praxis
Im Kali Yuga wird besonders die Kraft von Gebet, Mantra, heiligem Namen, Erinnerung und aufrichtiger Hingabe betont. Kleine, aber regelmäßige Praxis kann die innere Achse stabilisieren.
5. Durch astrologische Selbsterkenntnis
In der vedischen Astrologie kann das Verständnis von Lagna, Surya, Guru, den Dharma-Häusern und den Kendras helfen, den eigenen Lebensweg tiefer zu verstehen. Astrologie ist dabei nicht Ersatz für Dharma, sondern ein Werkzeug, um ihn klarer zu erkennen.
Fazit
Dharma ist weit mehr als ein religiöser Begriff. Es ist das tragende Prinzip des Lebens, die innere Ordnung der Welt und der Maßstab für richtiges Handeln. Es verbindet den Menschen mit Wahrheit, Pflicht, Sinn und spiritueller Ausrichtung.
Die Lehre der vier Yugas zeigt, dass sich die Kraft des Dharma im Lauf der Zeitalter verändert. Von der vollständigen Wahrheit im Satya Yuga bis zur stark reduzierten Ordnung im Kali Yuga wird sichtbar, wie sehr das Bewusstsein der Menschheit dem Wandel unterliegt. Gleichzeitig macht diese Lehre deutlich, dass selbst im dunkelsten Zeitalter der Zugang zum Göttlichen nicht verloren ist.
Gerade heute ist Dharma deshalb keine abstrakte Idee, sondern eine konkrete Notwendigkeit. Wer im Kali Yuga bewusst nach Wahrheit, Verantwortung und innerer Ordnung sucht, stellt sich gegen den allgemeinen Sog von Verwirrung und Oberflächlichkeit. Und genau darin beginnt bereits der Weg zurück zur Harmonie.
Dharma ist das, was trägt. Es trägt den Menschen, die Gesellschaft und die Welt. Und je mehr ein Mensch in seinem Leben wieder lernt, im Einklang mit Dharma zu handeln, desto mehr Ordnung, Frieden und Sinn kehren zurück – zuerst in das eigene Herz und dann in die Welt.










