Die 27 Nakshatras – das feste Sternensystem des siderischen Tierkreises
Die 27 Nakshatras bilden das grundlegende Bezugssystem des siderischen Tierkreises in der vedischen Astrologie. Im Gegensatz zu den Planeten (Grahas), deren Positionen sich ständig verändern, sind die Nakshatras fixe Sternabschnitte entlang der Ekliptik. Sie dienen als konstantes Koordinatensystem für die astrologische Deutung und verleihen dem Horoskop eine zeitlose, archetypische Struktur.
Gerade diese Unveränderlichkeit macht die Nakshatras zu einem zentralen Element der astrologischen Interpretation. Sie beschreiben nicht nur äußere Ereignisse, sondern tief verwurzelte psychologische Muster, Lebensimpulse und innere Ausrichtungen.
Zur Bedeutung und Herkunft des Begriffs Nakshatra
Etymologische Deutungen
Der Begriff Nakshatra besitzt mehrere Deutungsebenen. Eine verbreitete Interpretation leitet das Wort von na (nicht) und kṣatra (vergänglich, zerstörbar) ab. In diesem Sinne verweist Nakshatra auf das Unvergängliche, das Dauerhafte jenseits des Wandels.
- Nakshatra Ashwini – Schnelligkeit und Heilung, verleiht Mut zur Initiative.
- Nakshatra Bharani – Geduld und Stärke, zeigt die Fähigkeit, Herausforderungen zu meistern.
- Nakshatra Chitra – Schönheit, Eleganz und künstlerische Ausdruckskraft.
- Nakshatra Dhanishta – Rhythmus, Wohlstand und die Freude am Leben.
Eine zweite Deutung führt den Begriff auf nakta (Nacht) und tra (Schutz, Hüter) zurück. Nakshatras werden hier als „Wächter der Nacht“ verstanden – als kosmische Beobachter, die den Rhythmus des Lebens überwachen und strukturieren.
Beide Bedeutungen unterstreichen den symbolischen Charakter der Nakshatras als zeitlose Ordnungskräfte.
Die symbolische Sprache der Nakshatras
Die Namen der Nakshatras sind nicht zufällig gewählt. Jeder Name beschreibt eine archetypische Qualität, eine Funktion im kosmischen Gefüge sowie einen bestimmten Bewusstseinszustand. Im Folgenden werden alle 27 Nakshatras in ihrer grundlegenden Bedeutung vorgestellt.
Aśvinī – der Impuls des Anfangs
Aśvinī bedeutet „zu den Reitern gehörend“ und steht für Schnelligkeit, Heilung und Pioniergeist. Diese Nakshatra symbolisiert spontane Initiative, Erneuerung und den Mut zum ersten Schritt.
Bharaṇī – das Tragende
Bharaṇī leitet sich von der Wurzel bhṛ (tragen) ab. Sie steht für Reifung, Zurückhaltung und Transformation durch Begrenzung. Leben wird hier gehalten, genährt und vorbereitet.
Kṛttikā – die Schneidenden
Diese Nakshatra verkörpert Klarheit, Trennung und Reinigung. Kṛttikā trennt Überflüssiges ab und ermöglicht Wachstum durch bewusste Abgrenzung.
Rohiṇī – Wachstum und Fülle
Rohiṇī symbolisiert Fruchtbarkeit, Aufstieg und sinnliche Entfaltung. Sie steht für Wohlstand, Schönheit und die Fähigkeit, Dinge gedeihen zu lassen.
Mṛgaśirā – die suchende Natur
Als „Hirschkopf“ verkörpert Mṛgaśirā Neugier, Bewegung und das fortwährende Suchen. Wissen wird hier nicht besessen, sondern erkundet.
Ārdrā – der Sturm
Ārdrā steht für emotionale Intensität, Umbruch und Reinigung durch Erfahrung. Sie bringt Neuanfänge hervor, oft nach tiefgreifenden Erschütterungen.
Punarvasu – die Rückkehr des Lichts
Punarvasu bedeutet „Wiederkehr des Guten“. Diese Nakshatra symbolisiert Erholung, innere Sammlung und das Wiederfinden von Stabilität nach Rückzug.
Puṣya – der Nährende
Puṣya gilt als eine der günstigsten Nakshatras. Sie steht für Fürsorge, Stabilität und nachhaltiges Wachstum.
Āśleṣā – die Umarmung
Āśleṣā beschreibt Bindung, Verschmelzung und intensive Hingabe. Sie kann sowohl tiefe Loyalität als auch emotionale Verstrickung anzeigen.
Maghā – die Mächtigen
Maghā ist mit Ahnen, Autorität und Würde verbunden. Sie repräsentiert Herkunft, Tradition und das Erbe früherer Generationen.
Pūrva Phālgunī – schöpferische Freude
Diese Nakshatra steht für Genuss, Kreativität und Lebensfreude. Sie fördert künstlerischen Ausdruck und Sinnlichkeit.
Uttara Phālgunī – verbindende Ordnung
Uttara Phālgunī symbolisiert Loyalität, Verträge und verantwortungsvolle Großzügigkeit.
Hasta – die Hand
Hasta verkörpert Geschicklichkeit, Handwerk und bewusste Gestaltung. Kontrolle und Präzision stehen im Vordergrund.
Citrā – der kosmische Architekt
Citrā steht für Schönheit, Vielfalt und kreative Gestaltungskraft. Sie verbindet Vision mit Form.
Svāti – Unabhängigkeit
Svāti symbolisiert Freiheit, Flexibilität und Eigenständigkeit. Bewegung und Anpassung sind zentrale Themen.
Viśākhā – Zielstrebigkeit
Diese Nakshatra steht für Ehrgeiz, Entschlossenheit und den Willen, gesetzte Ziele zu erreichen.
Anurādhā – Hingabe und Freundschaft
Anurādhā fördert Kooperation, Loyalität und tiefe Verbundenheit.
Jyeṣṭhā – die Älteste
Jyeṣṭhā steht für Verantwortung, Schutz und natürliche Autorität.
Mūla – die Wurzel
Mūla sucht nach dem Ursprung aller Dinge. Zerstörung dient hier der Neuschöpfung.
Pūrva Āṣāḍhā – der unbesiegbare Anfang
Diese Nakshatra symbolisiert moralische Stärke und Durchsetzungskraft.
Uttara Āṣāḍhā – der endgültige Sieg
Uttara Āṣāḍhā steht für nachhaltigen Erfolg und universelle Prinzipien.
Śravaṇa – das Hören
Śravaṇa ist mit Lernen, Zuhören und Weitergabe von Wissen verbunden.
Dhaniṣṭhā – Rhythmus und Fülle
Dhaniṣṭhā verbindet Wohlstand mit Rhythmus, Musik und sozialer Dynamik.
Śatabhiṣaj – der verborgene Heiler
Diese Nakshatra steht für Heilung, Geheimnisse und esoterisches Wissen.
Pūrva Bhādrapadā – Transformation durch Intensität
Pūrva Bhādrapadā führt durch innere Spannung zu spiritueller Wandlung.
Uttara Bhādrapadā – Weisheit der Tiefe
Diese Nakshatra verkörpert Gelassenheit, Tiefe und kosmisches Verständnis.
Revatī – Vollendung und Übergang
Revatī steht für Abschluss, Fürsorge und den Übergang in neue Daseinsformen.
Fazit
Die Nakshatras bilden ein präzises, symbolisch tiefes System zur Beschreibung menschlicher Erfahrung. Sie verbinden kosmische Ordnung mit individueller Entwicklung und ermöglichen eine differenzierte, zeitlose astrologische Deutung.










